Assistierende Technologien
Aus VOWiki
Vorlage:Überarbeiten Assistierende Technologien, im Folgenden Hilfsmittel genannt, ermöglichen oder verbessern für Menschen mit Einschränkungen eine erfolgreiche Benutzung des Computers oder eines anderen interaktiven Gerätes (beispielsweise Mobiltelefon), die Kommunikation mit der Umwelt sowie grundlegende Kulturtechniken, wie Lesen und Schreiben.
Jedes Hilfsmittel richtet sich an eine spezifische Einschränkung. Bei Vorhandensein mehrfacher und komplexer Einschränkungen ist der Einsatz mehrerer Hilfsmittel notwendig. In diesem Fall ist jedoch eine optimale Versorgung mit Hilfsmitteln oft schwierig und es können Probleme auftreten, bei denen die Betroffenen Unterstützung brauchen. Dies wird in den Fallbeispielen verdeutlicht.
Generell sollte bei Vorhandensein mehrerer Einschränkungen die Auswahl und Anpassung von Hilfsmitteln gemeinsam mit den Betroffenen in einem längeren Prozess des Ausprobierens, der Beobachtung und der schrittweisen Verbesserung erfolgen.
In der folgenden Unterteilung der Hilfsmittel in einzelne Kategorien wird für jede Kategorie deren typisches Einsatzfeld angegeben. Zu jeder Kategorie gibt es dann Informationen über am Markt verfügbare Produkte.
Hilfsmittel können Menschen mit Einschränkungen in den folgenden Bereichen unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
|
Interaktion mit dem Computer und anderen interaktiven Geräten
Eingabe
Eine eingeschränkte beziehungsweise fehlende Funktionalität der Hände erschwert die Bedienung der Maus und Tastatur oder macht eine solche unmöglich. Gleiches kann bei gegebenen Einschränkungen des Sehvermögens und Blindheit gelten.
Taster, Schalter, Sensor
Taster, Schalter oder Sensoren werden in der Regel bei fehlender Funktionalität der Hände eingesetzt, können jedoch bei deren eingeschränkten Funktionalität in Kombination mit anderen alternativen Eingabegeräte zusätzliche Erleichterungen, zum Beispiel beim Einrasten einer Maustaste, bringen.
Bei einem Taster wird durch Drücken oder Verweilen auf dem Taster ein Impuls ausgelöst, der zur Steuerung einer anderen Eingabehilfe, etwa einer Bildschirmtastatur im Scanmodus, verwendet wird. Ein Taster kann, abhängig von den motorischen Möglichkeiten des Benutzers, bei entsprechender Anbringung am Arbeitsplatz durch den Kopf, das Kinn, einem Bein oder der Hand ausgelöst werden.
Ist die Auslösung eines Tasters aufgrund der Schwere der Behinderung problematisch, kann ein Sensor zum Einsatz kommen. Bei einem Sensor kann der Impuls etwa durch Muskelbewegungen oder durch leichte Berührung oder Annäherung an den Sensor ausgelöst werden.
Eine weitere Alternative bei schwersten motorischen Einschränkungen sind Saug-Blase-Schalter, die mit dem Mund bedient werden.
Abhängig von den Einschränkungen können auch mehrere Taster oder Sensoren eingesetzt werden. Sind diese möglich, bedeuten sie bei richtigem Einsatz eine wesentliche Verbesserung der Interaktion mit dem Computer.
Tastaturen
Bei vielen Einschränkungen der Funktionalität der Hände ist die Benutzung einer PC Standardtastatur problematisch oder unmöglich. Hier können alternative Tastaturen helfen.
Linkshändertastatur
Eine Linkshändertastatur ist für jeden Linkshänder von Vorteil. Das Nummernfeld sowie die Eingabetaste befinden sich auf der linken Seite der Tastatur, womit häufig verwendete Tasten sich in der Nähe der dominanten Hand befinden. Eine Linkshändertastur sollte auf jeden Fall bei fehlender Funktionalität der rechten Hand eingesetzt werden. Ist die Funktionalität der linken Hand ebenfalls eingeschränkt, ist eine Kleinfeldtastatur in Betracht zu ziehen.
Kleinfeldtastatur
Eine Kleinfeldtastatur hat die übliche Tastenanordnung, es fehlt jedoch das Nummernfeld. Die Tasten sind genau so groß wie bei einer Standardtastatur, liegen jedoch näher beieinander.
Dies ist von Vorteil für Benutzer, die nur mit einer Hand und / oder wenigen Fingern die Tastatur bedienen können. Die Wege zwischen den einzelnen Tasten sind kürzer. Eine solche Tastatur bietet auch Vorteile für die Bedienung mit einem Mund- oder Kopfstab.
Die Funktionen des Nummernfeldes können, ähnlich wie bei der Tastatur eines Notebooks, über eine Umschalttaste erreicht werden. Besser ist jedoch die Kombination mit einem separaten Nummernblock, der je nach besserer oder einzig möglicher Hand rechts oder links von der Kleinfeldtastatur verwendet wird.
Großschrifttastatur
Eine Großschrifttastatur kann Benutzern mit Einschränkungen des Sehvermögens die Bedienung der Tastatur erleichtern. Bei einer Großschrifttastatur handelt es sich um eine Standardtastatur bei der die Beschriftung der Tasten größer als üblich ist. Je nach Art der Sehbehinderung gibt es hier weiße Beschriftung auf schwarzem Hintergrund oder schwarze Beschriftung auf hellem Hintergrund. Großschrifttastaturen gibt es auch für Kleinfeldtastaturen.
Tastatur mit Abdeckmaske
Über eine Standardtastatur oder eine der hier beschriebenen Spezialtastaturen wird eine Abdeckmaske mit einem Loch über jeder Taste, gelegt. Dies kann bei fehlender Feinmotorik der Hände, Schleuderbewegungen der Hand oder Problemen des Haltens der Hand über der Tastatur helfen, die gewünschte Taste zu finden und dann auszulösen. Die Hand kann auf die Abdeckmaske aufgelegt werden, was eine weitere Stütze bedeutet.
Großfeldtastatur
Für massive Einschränkungen der Funktionalität werden von einigen Anbietern spezielle Tastaturen angefertigt, bei denen die Tastaturfläche größer als üblich ist und die einzelnen Tasten tiefer liegen, womit der Effekt einer Tastatur mit Abdeckmaske erreicht wird und vor allem die Tastenanordnung nicht der einer Standardtastatur entspricht. Im Sinne der Minimierung von Wegen der eingeschränkten Hand über die Tastatur liegen die in der deutschen Sprache am häufigsten genutzten Buchstaben in der Mitte der Tastatur.
Minitastatur
Für Benutzer, die oft, zum Beispiel wegen einer Lähmung oder Muskelerkrankung, nicht die nötige Kraft oder Reichweite zur Bedienung einer Standardtastatur haben, dennoch aber mit der Hand relativ punktgenau arbeiten können, werden von einigen Anbietern spezielle Minitastaturen angefertigt. Die Tastenanordnung entspricht der einer Standardtastatur. In Fällen, in denen praktisch nur mit einem speziellen Stab zum „Drücken“ der Taste gearbeitet werden kann, sind die Tasten als Vertiefung ausgelegt, ansonsten handelt es sich um Tasten, die aber kleiner als die üblichen Tasten sind.
Brailletastatur
Eine Braille-Tastatur kann für blinde Benutzer eine wesentliche Unterstützung bedeuten. Oft haben blinde Benutzer bereits gute Erfahrungen mit einer Standardtastatur, doch können PC Neulinge und solche, die bereits Erfahrungen mit einer Braille-Schreibmaschine haben, mit einer Brailletastatur ein höheres Tempo bei der Eingabe von Text erzielen.
Bildschirmtastatur
Machen die Einschränkungen der Funktionalität der Hände die Bedienung einer Tastatur unmöglich, ist der Einsatz einer Bildschirmtastatur zu überlegen. Hier wird ein Tastatur-Layout am Bildschirm gezeigt, die einzelnen Tasten können entweder durch ein Zeigeinstrument (Zeigemodus) oder durch einen Taster / Sensor (Scanmodus) ausgelöst werden.
Bei fehlender Funktionalität der Hände kann eine Bildschirmtastatur nur im Scanmodus unter Verwendung eines Tasters / Sensor verwendet werden. Bei Lähmungen oder Muskelerkrankungen, bei denen punktgenau aber mit wenig Kraft und geringer Reichweite gearbeitet werden kann, kann z.B. die Kombination einer Bildschirmtastatur im Zeigemodus in Kombination mit einem Joystick ein schnelleres Arbeiten mit der Tastatur erreichen.
Bildschirmtastaturen sind üblicherweise in der Tastenanordnung frei konfigurierbar, womit auch andere Anordnungen als die der Standardtastatur möglich sind. Damit ist es zum Beispiel möglich, häufig verwendete Buchstaben (in der deutschen Sprache) so anzuordnen, dass diese mit möglichst kurzen Wegen erreicht werden, was insbesondere im Scanmodus von großer Hilfe ist.
Komfortable Bildschirmtastaturen erlauben nicht nur die Konfiguration der Tastenanordnung, sondern auch der Größe der Tasten, der Farbgestaltung und vor allem die Bereitstellung mehrerer Tafel, auf denen zum Beispiel Tastaturkürzel, Sonderzeichen oder grundlegende Menubefehle bereitgestellt werden.
Viele Bildschirmtastaturen bieten zusätzlich Sprachausgabe (ausgelöste Taste, geschriebenes Wort, geschriebener Satz) und Wortvorschläge zur Wortvervollständigung.
Mausersatz
Die Maus als Zeigeinstrument ist ein integraler Bestandteil in der Interaktion mit dem Computer. Bei eingeschränkter Funktionalität der Hände ist in vielen Fällen die Benutzung einer Maus schwierig oder unmöglich. Bei fehlender Funktionalität der Hände ist die Bedienung der Maus generell unmöglich. Zwar sind viele der Funktionen einer Maus über Tastaturkürzel und Pfeiltasten erreichbar und somit für Benutzer, die eine Tastatur bedienen können, auch durchführbar, doch bei gegebenen Einschränkungen der Handfunktionalität in deren Umsetzung auf der Tastatur oft motorisch und zeitlich aufwändig - und in deren Handhabung alles andere als so intuitiv wie die der Maus.
Als Mausersatz gibt es eine Reihe von Lösungen, die es Benutzern erlauben, trotz Einschränkungen, die volle Funktionalität einer Maus (positionieren, auswählen, öffnen, verschieben) so intuitiv und effizient wie möglich zu nutzen.
Trackball, Rollkugel
Ein Trackball ist in der Regel bei spastisch bedingten Einschränkungen der Handfunktionalität ein erfolgreicher Mausersatz. Ein Trackball besteht aus einer Kugel, die üblicherweise mit der Handfläche bewegt wird und deren Bewegung auf den Mauszeiger am Bildschirm übertragen wird. Bei Schleuderbewegungen der Hand oder der Unmöglichkeit mit einer Objekte auf einer Fläche aufliegend verschieben zu können, ist der Einsatz einer Maus praktisch nicht möglich.
Kann von einem Benutzer die Maus nicht mit der nötigen Feinkontrolle über eine Auflagefläche bewegt werden, hilft oft ein grosser Trackball, auf dessen Rahmen die Hand festgehalten und damit die Rollkugel relativ exakt bewegt werden kann. Häufig auch gibt es Fälle, in denen zwar nicht die zum Bewegen der Maus notwendige Feinmotorik gegeben ist, doch hat diese dann ein einzelner Finger, mit dem die Rollkugel ziemlich exakt und punktgenau bewegt werden kann.
Trackballs stellen in Anzahl und Funktion dieselben Tasten zur Verfügung wie Mäuse. Bei manchen Einschränkungen in der Handfunktionalität ist zwar das Positionieren des Mauszeigers und das Auslösen einer Taste mit dem Trackball unproblematisch, doch das Verweilen auf einer Taste schwierig. Hier bietet sich die zusätzliche Verwendung eines Schalters in Kombination mit einem Trackball an.
Joystick
Joysticks übertragen in der Regel die Bewegungen der bedienenden Hand direkt und in kleinsten Veränderungen. Damit sind die zur Bewegung des Mauszeigers nötigen Bewegungen der Hand in der Regel kürzer als bei einer Maus. Das erfordert vom Benutzer eine gute Feinkontrolle der den Joystick führenden Hand. Der Einsatz eines Joysticks kann bei Muskelschwäche von Vorteil sein, bei der häufig nicht die Feinmotorik sondern der Aufwand für längere Wege der Hand ein Problem bedeuten.
Kopfmaus
Eine Kopfmaus besteht aus einem Sensor, einem Gerät, das am Bildschirm platziert wird, und einem Reflektor. Der Reflektor ist ein kleiner selbstklebender Punkt, der in der Regel an der Stirn des Benutzers befestigt wird. Über den Reflektor werden Kopfbewegungen des Benutzers an den Sensor übertragen, der diese dann in Bewegungen des Mauszeigers am Bildschirm umsetzt. Der Mauszeiger kann mit geringsten Kopfbewegungen gesteuert werden. Die Kopfmaus bietet einen Mausersatz für Benutzer mit geringer oder fehlender Funktionalität der Hände. Voraussetzung ist jedoch eine gute und exakte Kontrolle der Kopfbewegungen.
Je nach Einschränkung stehen als Ersatz für die Maustasten mehrere Alternativen zur Verfügung. Ein einfacher Tastendruck zum Auswählen eines Objektes kann durch das zeitlich einstellbare Verweilen des Mauszeigers über dem Objekt erzielt werden. Diese Alternative erlaubt die Verwendung einer Bildschirmtastatur in Kombination mit einer Kopfmaus. Sie ist auch zur Steuerung alternativer Kommunikationsprogramme wie etwa MindExpress oder zur Bedienung von Lern- und Therapieprogrammen geeignet.
Bei einer gegebenen Restfunktionalität der Hände können Schalter / Sensoren die Funktion einzelner Maustasten übernehmen. Können die Hände überhaupt nicht eingesetzt werden, so gibt es eine Programm namens Dragger, mit dem über die Kopfmaus Funktionen am Mauszeiger wie Doppelklick, Auslösen der rechten Maustaste oder Ziehen realisiert werden können.
Tastaturmaus
Bei einer Tastaturmaus können die Operationen der Maus über die Tastatur ausgeführt werden. Bewegt und positioniert wird der Mauszeiger über die Pfeiltasten, Tastenoperationen werden durch speziell definierte Tasten ausgelöst. In der Regel wird eine Tastaturmaus über das Nummernfeld realisiert. Voraussetzung für den Einsatz einer Tastaturmaus ist eine für die Bedienung der Tastatur ausreichende Funktionalität der Hände. Die Bedienung der Tastaturmaus ist zeitintensiv und umständlich. Eine Tastaturmaus sollte daher nur dann eingesetzt werden, wenn aufgrund der vorhandenen Einschränkungen kein anderer Mausersatz in Frage kommt, was jedoch selten der Fall ist.
Scanmaus
Bei einer Scanmaus werden alle Mausoperation - wie Bewegen vertikal oder horizontal, Klick, Doppelklick, Verweilen auf einer Taste - auf einem Panel dargestellt. Diese Operationen werden in einem Scanzyklus, in dem dann die jeweils gewünschte Operation durch einen Taster / Sensor ausgewählt werden kann, durchlaufen. Die Scanmaus bietet eine Lösung bei fehlender Funktionalität der Hände und einer für die Bedienung einer Kopfmaus nicht ausreichenden Kopfkontrolle. Zusammen mit einer Bildschirmtastatur eröffnet sie damit auch Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen den Zugang zum Computer.
Eine Scanmaus ist entweder, wie etwa MauSi scan, ein eigenständiges Gerät, das am Bildschirm montiert ist, kann aber auch als Bildschirmtafel ähnlich wie eine Bildschirmtastatur realisiert sein.
Maussimulator
Als Maussimulator werden hier spezielle Lösungen für Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen, denen die Bedienung eines Trackball nicht möglich ist, aber dennoch Tasten mit Händen oder Füßen bedienen können, bezeichnet.
Mundmaus
Eine Mundmaus befindet sich auf einem Stativ vor dem Mund des Benutzers und wird durch Lippenbewegungen , Saugen und Blasen bedient. Das derzeit einzige am Markt verfügbare Gerät ist die IntegraMouse. Sie richtet sich an Menschen mit einer Muskelerkrankung oder Lähmungen, die keine oder eine nicht ausreichende Funktionalität der Hände besitzen.
Spracheingabe
Spracheingabe kann bei Einschränkungen der Funktionalität der Hände die Eingabe von Texten sowie die Auswahl von Menus erheblich erleichtern und beschleunigen. Gleiches gilt bei mittleren bis schweren Einschränkungen des Sehvermögens. Spracheingabe erlaubt die Eingabe von Texten sowie die Auswahl von Menus.
Die Mindestvoraussetzung für den erfolgreichen Einsatz einer Spracheinagbe sind eine klare verständliche Aussprache des Benutzers. Selbst gute Programme zur Spracheingabe erkennen nich alle sprachlichen Äußerungen korrekt, sind also vom Benutzer zu korrigieren. Dies kann bei Einschränkungen des Sehvermögens oder kognitiven Problemen, wie etwa einer Lesestörung, problematisch sein. Ein erfolgreicher Einsatz von Spracheingabe erfordert einen längeren Einsatz der Erprobung, bei dem die Betroffenen Unterstützung benötigen.
Touchscreen
Ein Touchscreen erlaubt das Auswählen von Objekten und Menus durch Berühren des Objektes am Bildschirm. Zusätzlich können Objekte mit dem Finger am Schirm verschoben werden. Ein Touchscreen kann in einzelnen Fällen auch von Benutzern mit eingeschränkter Handfunktionalität bedient werden. Einige Hilfsmittel, wie etwa der LiveReader, erlauben die Interaktion mit einem Touchscreen.
Wortvorschlag, Wortvervollständigung
Ein Programm zur Wortvervollständigung reagiert auf die vom Benutzer eingegebenen Buchstaben und macht bereits ab dem ersten Buchstaben eine einstellbare Anzahl von Vorschlägen um welches Wort es sich handeln könnte. Aus den Vorschlägen kann entweder mit der Maus oder der Eingabe einer Ziffer ausgewählt werden. Das ausgewählte Wort wird automatisch vervollständigt.
Gute Programme zur Wortvervollständigung treffen bei längerer Benutzung in der Regel spätestens beim dritten Buchstaben das beabsichtigte Wort.Die Vorhersagen basieren anfangs auf der Häufigkeit der Wörter der (deutschen) Sprache und im Verlauf auf der Häufigkeit der Verwendung eines Wortes durch den Benutzer. Gute Programme zur Wortvervollständigung machen auch Vorhersagen über das Folgewort und dies ebenfalls nach dem Kriterium der Häufigkeit. Zu Beginn der Benutzung steht ein großes Lexikon von Wörtern der (deutschen) Sprache bereits zur Verfügung. Wörter des Benutzers, die noch nicht im Lexikon sind, können dann schrittweise zum Lexikon hinzu gefügt werden. Dies kann entweder automatisch erfolgen oder unter Kontrolle des Benutzers. Ersteres ist nicht zu empfehlen, da dadurch auch falsch getippte Wörter ins Lexikon kämen und für künftige Wortvorschläge zur Verfügung stünden.
Komfortable Wortvervollständigungsprogramme bieten zusätzlich Sprachausgabe. Sprachlich ausgegeben werden können getippte Buchstaben, Wörter und Sätze sowie die aktuellen Wortvorschläge.
Bei fehlender Handfunktionalität sollte Wortvervollständigung gemeinsam mit einer Bildschirmtastatur eingesetzt werden. Gute Bildschirmtastaturen wie etwa WiViK haben Wortvervollständigung bereits integriert. Auch bei eingeschränkter Funktionalität der Hände kann Wortvervollständigung zusammen mit einer Tastatur wesentliche Verbesserung in der Eingabe bringen.
In Verbindung mit der Sprachausgabe und einem korrekt gepflegten Lexikon von Wörtern kann Wortvervollständigung bei einer gegebenen Rechtschreibschwäche helfen, Wörter orthographisch korrekt zu schreiben. Kritisch ist der Einsatz von Wortvervollständigung bei einer zusätzlichen Leseschwäche, doch kann bei entsprechender Pflege des Lexikons auch hier Verbesserung bei der Eingabe von Text erzielt werden.
Ausgabe
Einschränkungen im Sehvermögen oder der visuellen Wahrnehmung erschweren die Erfassung der Informationen am Bildschirm. Auch eine kognitive Einschränkung, wie etwa eine Leseschwäche, erschweren Benutzern die Kontrolle und Navigation am Bildschirm.
Bildschirmlupe, Bildschirmvergrößerung
Bildschirmlupen oder Werkzeuge zur Vergrößerung des Bildschirminhaltes erlauben Teile oder den gesamten Schirm vergrößert darzustellen. Zielgruppe für Bildschirmlupen und Vergrößerungswerkzeugen sind Benutzer mit Einschränkungen des Sehvermögens.
Je nach Art der Sehbehinderung kann auch eine Anpassung der Farben und des Kontrasts eine verbesserte Erfassung der Bildschirminhalte ermöglichen. Gute Bildschirmlupen und Vergrößerungswerkzeuge ermöglichen viele Vergrößerungsstufen und Farbanpassungen.
Für Benutzer, die im Wesentlichen nur Einschränkungen des Sehvermögens aufweisen, sind Bildschirmlupen oder Vergrößerungswerkzeuges ein mächtiges und effizientes Hilfsmittel. Problematisch kann deren Benutzung bei zusätzlichen Einschränkungen werden. Durch die Vergrößerung werden Teile des Bildschirminhaltes nicht mehr sichtbar. Der gesamte Bildschirm ist nur mehr virtuell vorhanden und wird zur Sichtbarmachung von Teilen mit der Maus in horizontaler oder vertikaler Richtung verschoben. Das kann bei kognitiven Problemen und hier speziell bei Orientierungsproblemen die effiziente Benutzung von Bildschirmlupen erschweren oder gar unmöglich machen.
Komfortable Werkzeuge zur Vergrößerung des Bildschirminhaltes unterstützen die Erfassung des Bildschirminhaltes zusätzlich durch Sprachausgabe.
Screenreader
Ein Screenreader erlaubt Benutzern mit massiven Einschränkungen des Sehvermögens den Bildschirminhalt alternativ zur erfassen ("lesen"). Dies betrifft den Inhalt der grafischen Benutzeroberfläche wie auch Texte in Anwendungsprogrammen. Der Inhalt des Bildschirms wird nicht-visuell entweder über Sprachausgabe und / oder eine Braillezeile ausgegeben.
Webreader
Ein Webreader erlaubt Benutzern mit massiven Einschränkungen des Sehvermögens effizienter Webseiten zu lesen und durch diese zu navigieren. Webreader sind spezielle Browser, die ähnlich einem Screenreader die Informationen am Bildschirm (grafische Elemente, Struktur) an eine Sprachausgabe oder Braillezeile weitergeben.
Sprachausgabe
Sprachausgabe kann speziell bei Einschränkungen des Sehvermögens und / oder kognitiven Einschränkungen, wie Lese- oder Rechtschreibschwäche, die Interaktion mit dem Computer verbessern. Sprachausgabe ist entweder in ein Hilfsmittel integriert oder ein eigenständiges Hilfsmittel. Im letzteren Fall kann Sprachausgabe applikationsübergreifend zum Vorlesen von Texten in verschiedenen Applikationen verwendet werden. Ein Beispiel dafür ist Logox.
Die Integration von Sprachausgabe in andere Hilfsmittel ermöglicht entweder gesprochene Rückmeldungen zu einem eingegebenen Text oder gesprochene Erläuterungen zu den Objekten am Bildschirm. Hinsichtlich Texteingabe kann Sprachausgabe in Bildschirmtastaturen und Programmen zur Wortvervollständigung Verwendung finden. Gesprochene Erläuterungen des Bildschirminhaltes finden sich vornehmlich in Bildschirmlupen und Screenreader.
Zur Sprachausgabe ist in allen Werkzeugen, die Sprachausgabe anbieten, ein Text-to-Speech System integriert. Text-to-Speech Programme erzeugen aus einem vorgebenen Text eine sprachliche Äusserung (Sprachsynthese). Für die sprachliche Äusserung stehen bei guten Text-to-Speech Systemen mehrere Stimmen zur Verfügung. In der Regel gibt es mehrere männliche und weibliche Stimmen und Stimmen in verschiedenen Sprachen. Die synthetisierten Stimmen sind bei den führenden Text-to-Speech Systemen von hoher Qualität und einer menschlichen Stimme sehr ähnlich. Eigenständige Programme zur Sprachausgabe bieten nicht nur die Möglichkeit Texte vorlesen zu lassen sondern können auch Audiodateien erzeugen, die man sich zum Beispiel durch ein Vorlesegerät oder einen beliebigen Player vorlesen lassen kann.
Braillezeile
Alternative Kommunikation
Kommunikation mit Schrift
Kommunikation mit Symbolsprache
Lesen, Vergrößern
Bildschirmlesegerät, Bildschirmvergrößerungsgerät
Vorlesegerät
Zubehör
Arbeitsplatz
Umfeldsteuerung
Weiterführende Links
- Association for the Advancement of Assistive Technology in Europe (AAATE)
- European Assistive Technology Network (EASTIN)
- Foundation for Assistive Technology (FAST)
- Informationssystem zur beruflichen Rehabilitation (REHADAT)
- Technical Aids for Persons with Disabilities - Classification and Terminology (ISO9999)
